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Durchs Jahr·6 Min. Lesezeit·27.10.2025

Silvester mit Pferd: so bleibt dein Pferd ruhig

Knallgeräusche, grelle Lichter, ein unruhiges Pferd. Was du vorbereiten kannst, was über die Fütterung geht und warum Ruhe der wichtigste Faktor ist.

Jedes Jahr rund um den Jahreswechsel beginnt für viele Pferde eine besonders herausfordernde Zeit: laute Knallgeräusche, grelle Lichter, ungewohnte Gerüche und angespannte Menschen können selbst ruhige Pferde verunsichern. Damit dein Pferd entspannt und sicher ins neue Jahr kommt, kannst du mit etwas Vorbereitung und gezielter Unterstützung viel tun.

Warum Silvester so stressig für Pferde ist

Pferde reagieren als Fluchttiere besonders sensibel auf plötzliche, laute Reize. Feuerwerkskörper, Lichtblitze oder zischende Geräusche lösen bei vielen Tieren eine Stressreaktion aus: Herzfrequenz steigt, Muskulatur spannt sich an, Adrenalin wird ausgeschüttet. Vor allem in Ställen, die in der Nähe von Wohngebieten liegen, kann die Nacht zum Jahreswechsel für die Tiere purer Stress bedeuten.

Umgebung ruhig und sicher gestalten

  • Pferde nicht allein lassen: Ideal ist es, wenn vertraute Pferde zusammenstehen dürfen, das vermittelt Sicherheit.

  • Fenster und Türen schließen: So werden grelle Lichtblitze und Lärm etwas gedämpft.

  • Radio oder Musik leise laufen lassen: Ein gleichmäßiger Hintergrundton kann die Geräuschkulisse von draußen abschwächen.

  • Heu zur freien Verfügung: Kauen beruhigt und hilft, Stress abzubauen.

  • Vertraute Routinen beibehalten: Gewohnte Abläufe geben Sicherheit und Stabilität.

Natürliche Unterstützung über die Fütterung

Eine gute Nährstoffversorgung spielt auch bei Stressreaktionen eine wichtige Rolle. Der Körper benötigt Mineralstoffe, um Nerven und Stoffwechsel im Gleichgewicht zu halten.

  • Magnesium und B-Vitamine: Magnesium ist an der Reizweiterleitung zwischen Nerven und Muskeln beteiligt, B-Vitamine entstehen im Dickdarm. Beides gehört gedeckt, das ganze Jahr über und nicht nur im Dezember.

  • Kräuter wie Melisse, Passionsblume oder Hopfen: klassische Futterkräuter, traditionell kurweise gegeben. Belastbare Studien beim Pferd gibt es dazu nicht.

  • Der Magen: Stress schlägt beim Pferd zuerst auf den Magen. Die Antwort darauf sind kurze Fresspausen und genug Raufutter, nicht ein Zusatz.

Wann du womit anfängst

Das meiste wirkt nicht am selben Abend. Wer am 31. Dezember beginnt, kommt zu spät.

Wann Was
3 bis 4 Wochen vorher Magnesium und beruhigende Kräuter einschleichen, langsam steigern
2 Wochen vorher Haltung prüfen: Wo steht das Pferd, wer steht dabei, wo kann es sich verletzen
1 Woche vorher Ablauf mit dem Stall abstimmen, wer ist wann da
Am Tag selbst Heu satt, Routine wie immer, Radio früh anstellen, nicht erst um 23 Uhr
Nach Mitternacht erst nachschauen, wenn es ruhig ist, nicht mitten hinein

Sicherheit geht vor Beruhigung

Ein Pferd in Panik verletzt sich am Zaun, am Tor oder an sich selbst. Deshalb vor allem anderen:

  • Weidezaun prüfen, besonders Ecken und Tore. Panik geht geradeaus.
  • Alles wegräumen, was im Weg steht: Schubkarren, Gerätschaften, offene Türen.
  • Nicht anbinden, und nicht in engen Boxen einsperren, wenn das Pferd das nicht gewohnt ist.
  • Herde zusammenlassen. Ein einzeln gestelltes Pferd hat mehr Angst, nicht weniger.
  • Bei Pferden, die schon einmal in Panik geraten sind, sprich vorher mit deinem Tierarzt. Eine geplante Sedierung ist besser als ein Notfall um Mitternacht, und sie muss vorher besorgt werden.

Ruhe über Vertrauen, der wichtigste Faktor

Das beste Mittel gegen Stress bleibt immer eine ruhige, souveräne Bezugsperson. Wenn du gelassen bleibst und Sicherheit ausstrahlst, spürt das dein Pferd sofort. Vermeide hektisches Verhalten, lautes Rufen oder häufiges Kontrollieren, das kann Unsicherheit verstärken.

Ein paar sanfte Streicheleinheiten, beruhigende Worte und eine vertraute Umgebung wirken oft stärker als jede Ergänzung.

Mit etwas Vorbereitung, Geduld und liebevoller Begleitung kannst du deinem Pferd helfen, Silvester entspannter zu erleben. Ein sicheres Umfeld, eine gedeckte Grundversorgung und deine ruhige Präsenz sind die besten Bausteine, um gemeinsam gelassen ins neue Jahr zu starten.

Mein persönlicher Tipp für entspannte Pferde an Silvester

Ich beginne etwa 8 Wochen vor Silvester, meine Pferde gezielt auf die stressige Zeit vorzubereiten. Dafür schaue ich zuerst auf Magnesium. Es ist ein Mengenelement, das an der Reizweiterleitung zwischen Nerven und Muskeln beteiligt ist, und eine gedeckte Versorgung gehört ohnehin in jede Ration, nicht nur im Dezember. Gut verfügbar sind Magnesiumfumarat und Magnesiumcitrat. Ein Beruhigungsmittel ist Magnesium nicht, und mehr als der Bedarf bringt auch nicht mehr Ruhe.

Dazu gebe ich Melisse. Sie gehört zu den klassischen Futterkräutern und wird traditionell kurweise gefüttert. Studien am Pferd gibt es dazu nicht, das gehört zur Ehrlichkeit dazu.

Zusätzlich setze ich auf Passionsblume, die sich wunderbar ergänzend eignet. Einzelkräuter zum Selbstmischen findest du bei Hotte Maxe.

Der Grund, warum ich so früh anfange, ist banal: Was über das Futter läuft, braucht Vorlauf, und am 31. Dezember etwas in den Trog zu kippen bringt nichts. Ersetzen kann all das die sichere Umgebung nicht. Ein Pferd, das in Panik gerät, gerät auch mit Melisse in Panik.

Häufige Fragen

Sollen Pferde an Silvester in den Stall oder auf die Weide?

Es gibt keine Antwort, die für alle stimmt. Entscheidend ist, wo das Pferd normalerweise steht, denn die gewohnte Umgebung ist fast immer die sicherere. Ein Pferd, das sonst draußen lebt, gerät in der Box eher in Panik als auf seiner Koppel, und umgekehrt gilt dasselbe. Prüf stattdessen die Umzäunung, räum weg, woran sich ein durchgehendes Pferd verletzen kann, und sorg dafür, dass es nicht allein steht.

Ab wann fange ich mit der Unterstützung über das Futter an?

Kräuter wie Melisse, Hopfen oder Baldrian sind Futter und kein Beruhigungsmittel, sie brauchen Vorlauf. Zwei bis drei Wochen vor Silvester anzufangen ist sinnvoller, als am 31. Dezember etwas in den Trog zu kippen. Und sie ersetzen keine sichere Umgebung: Ein Pferd, das in Panik gerät, gerät auch mit Melisse in Panik.

Hilft ein Beruhigungsmittel vom Tierarzt?

Bei Pferden, die in der Vergangenheit wirklich durchgegangen sind oder sich verletzt haben, ist das eine ernsthafte Möglichkeit, und dafür ist das Gespräch mit dem Tierarzt da. Es gehört rechtzeitig geführt, nicht am Nachmittag des 31. Dezember. Auf eigene Faust zu dosieren gehört nicht dazu.

Was ist mit Ohrenstöpseln oder Radio im Stall?

Beides kann helfen, beides kann auch das Gegenteil bewirken. Ein Pferd, das seine Umgebung nicht mehr hört, wird bei manchen noch unsicherer. Wenn du es ausprobieren willst, dann Wochen vorher an einem ruhigen Abend und nicht zum ersten Mal in der Silvesternacht. Es muss bereits gewohnt sein, um zu wirken.

Sollte ich in der Silvesternacht beim Pferd bleiben?

Wenn deine eigene Ruhe echt ist, ja, denn dann ist deine Anwesenheit der stärkste beruhigende Faktor, den es gibt. Wenn du selbst angespannt bist und alle fünf Minuten zum Fenster gehst, überträgt sich genau das. Ehrlich mit sich zu sein lohnt sich hier mehr als jedes Kraut.

Warum Stress im Bauch ankommt

Anhaltender Stress verschiebt das Milieu im Dickdarm, und das zeigt sich danach oft dort, wo man es nicht sucht. Wenn dein Pferd nach der Silvesterwoche breiigen Kot oder Kotwasser hat, ist das kein Zufall und kein Grund für ein neues Pulver, sondern die Folge der Tage davor.

Wie der Darm arbeitet und woran du eine Verschiebung erkennst, steht im Beitrag über Darmprobleme beim Pferd. Und wenn nach den Feiertagen mehrere Dinge gleichzeitig auffallen, hilft die Reihenfolge aus dem Beitrag wenn die Ursache unklar bleibt, statt alles auf einmal umzustellen.

Zuletzt fachlich überarbeitet am 07.09.2026.

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