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Kritische Futtermittel·4 Min. Lesezeit·17.03.2026

Kartoffelprotein in der Pferdefütterung: warum du besser die Finger davon lässt

Kartoffelprotein steckt immer häufiger in Müslis und Pellets. Was es ist, warum es in der Pferdefütterung nichts zu suchen hat und woran du es erkennst.

Kartoffelprotein taucht in den letzten Wochen und Monaten immer häufiger in Futtermitteln für Pferde auf, vor allem in Müslis, Pellets und sogenannten „leistungsfördernden“ Ergänzern. Oder sogar „Pur„.

Auf den ersten Blick klingt es vielversprechend: hoher Proteingehalt, pflanzliche Herkunft, scheinbar gut verwertbar.

Doch ein genauerer Blick zeigt: Kartoffelprotein ist für Pferde alles andere als ideal, und kann im schlimmsten Fall sogar Probleme verursachen.

Was ist Kartoffelprotein überhaupt?

Kartoffelprotein ist ein Nebenprodukt der industriellen Stärkeherstellung. Dabei wird der Kartoffel die Stärke entzogen, und übrig bleibt ein hochkonzentrierter Eiweißanteil. Dieser wird getrocknet und als Futtermittel vermarktet.

Das Problem: Es handelt sich nicht um ein natürliches Futtermittel, sondern um ein stark verarbeitetes Industrieprodukt.

Warum Kartoffelprotein problematisch ist

1. Unnatürlich für das Verdauungssystem des Pferdes

Pferde sind von Natur aus darauf ausgelegt, strukturreiche, faserhaltige Pflanzen zu fressen, kein hochkonzentriertes isoliertes Eiweiß.

Kartoffelprotein liefert:

  • sehr viel Protein auf einmal

  • kaum Struktur

  • keine natürliche Einbettung

Das kann den empfindlichen Stoffwechsel des Pferdes schnell überfordern.

2. Belastung von Leber und Nieren

Ein Zuviel an Protein muss im Körper abgebaut werden. Dabei entstehen Stoffwechselprodukte wie Ammoniak, die über Leber und Nieren verarbeitet werden müssen.

Folgen können sein:

  • erhöhte Stoffwechselbelastung

  • Probleme bei empfindlichen Pferden

  • langfristig mögliche Organüberlastung

Gerade bei Freizeitpferden ist ein hoher Proteingehalt komplett unnötig.

3. Risiko für Stoffwechselprobleme

Ein überhöhter Proteingehalt im Futter wird oft unterschätzt. Dabei kann er indirekt zu Problemen beitragen wie:

  • Übersäuerung des Stoffwechsels

  • angelaufene Beine (Wasseransammlungen)

  • Hautprobleme

  • erhöhte Belastung bei EMS oder Cushing

Kartoffelprotein ist hier besonders kritisch, weil es extrem konzentriert ist.

4. Häufig versteckt im Futter

Ein großes Problem: Kartoffelprotein wird oft „versteckt“ deklariert, z. B. als:

  • „pflanzliches Eiweiß“

  • „pflanzliche Proteine“

  • „Kartoffeleiweiß“

Viele Pferdehalter merken gar nicht, dass sie es füttern.

Woran du es auf dem Sack erkennst

Das ist der schwierige Teil, denn "Kartoffelprotein" steht selten so da. Die Zusammensetzung eines Mischfutters wird in absteigender Menge aufgelistet, und darin taucht es unter verschiedenen Namen auf:

  • Kartoffeleiweiß oder Kartoffelprotein
  • Kartoffelfaser, Kartoffelpülpe oder Kartoffeltrester (das sind andere Bestandteile derselben Verarbeitung, nicht dasselbe)
  • versteckt unter Sammelbegriffen wie pflanzliche Eiweißerzeugnisse

Der letzte Punkt ist der ärgerliche: Ein Sammelbegriff muss nicht aufschlüsseln, was genau darin steckt. Wenn auf einem eiweißreichen Futter kein einzelnes Eiweißerzeugnis benannt ist, lohnt die Nachfrage beim Hersteller.

Zwei praktische Anhaltspunkte:

Steht das Eiweißerzeugnis weit vorn in der Liste, ist reichlich davon drin. Und ein auffällig hoher Rohproteingehalt bei niedrigem Preis kommt fast nie aus Luzerne oder Leinsamen, sondern aus einem Nebenprodukt der Lebensmittelindustrie.

Kein echter Mehrwert für die meisten Pferde

Kartoffelprotein wird oft als „hochwertige Eiweißquelle“ beworben. In der Praxis zeigt sich jedoch: Der Einsatz bringt häufig mehr Nachteile als Vorteile.

Das Problem liegt nicht darin, dass Pferde grundsätzlich keinen Proteinbedarf hätten, sondern in der Form, in der dieses Protein geliefert wird.

Kartoffelprotein kann:

  • die empfindliche Darmflora stören

  • Verdauungsprobleme begünstigen

  • zu Kotwasser oder Blähungen führen

  • den Verdauungstrakt unnötig belasten

Gerade weil es sich um ein stark verarbeitetes, isoliertes Protein handelt, fehlt die natürliche Einbettung in eine strukturreiche Futterquelle. Dadurch passt es schlecht in das Verdauungssystem des Pferdes.

Statt den Bedarf sinnvoll zu decken, wird das Gleichgewicht im Darm oft eher gestört.

Wenn du mehr zum Thema erfahren willst und dein Pferd gezielt und sinnvoll mit Aminosäuren versorgen möchtest, schau dort weiter.

Häufige Fragen

Was ist Kartoffelprotein?

Ein Nebenprodukt der Stärkegewinnung aus der Kartoffel. Was nach dem Auswaschen der Stärke übrig bleibt, wird getrocknet und als eiweißreiches Futtermittel verkauft. Der Eiweißgehalt liegt sehr hoch, und genau das macht es für Futtermittelhersteller interessant: Es hebt den Rohproteinwert auf dem Etikett günstig an.

Ist Kartoffelprotein schädlich für Pferde?

Giftig ist es nicht. Es passt aber schlecht zu einem Verdauungssystem, das auf Rohfaser aus Gras und Heu ausgelegt ist. Ein stark konzentriertes, isoliertes Eiweiß in dieser Form kommt in der natürlichen Ration eines Pferdes nicht vor, und der Überschuss muss abgebaut und ausgeschieden werden. Bei einem gesunden Pferd und kleiner Menge passiert wenig, bei einem mit Leber- oder Nierenthema ist es unnötiger Ballast.

Wie erkenne ich Kartoffelprotein auf dem Futtersack?

In der Zusammensetzung, nicht in der Analyse. Gesucht sind die Begriffe Kartoffelprotein, Kartoffeleiweiß und gelegentlich Kartoffeleiweißkonzentrat. Steht es weit vorn in der Liste, ist viel davon drin, denn die Zusammensetzung ist nach Anteil sortiert. Häufig steckt es in proteinreichen Ergänzern, in Muskelaufbaufuttern und in Mash-Mischungen.

Womit versorgt man ein Pferd stattdessen mit Eiweiß?

Über die Grundration und über gezielt ergänzte Aminosäuren statt über Eiweißmenge. Entscheidend ist nicht, wie viel Rohprotein ins Pferd geht, sondern ob die begrenzenden Aminosäuren da sind, allen voran Lysin und Methionin. Gutes Heu, Luzerne in Maßen und bei Bedarf eine gezielte Ergänzung decken das, ohne den Stoffwechsel mit Überschuss zu beschäftigen.

Braucht mein Pferd überhaupt zusätzliches Eiweiß?

Die meisten Freizeitpferde nicht. Bedarf haben Fohlen und Jungpferde im Wachstum, tragende und laktierende Stuten, alte Pferde mit nachlassender Verwertung und Pferde im echten Aufbautraining. Beim durchschnittlichen Freizeitpferd mit ausreichend gutem Heu ist die Eiweißversorgung selten das Problem, und ein Mangel wird deutlich häufiger vermutet als gemessen.

Zuletzt fachlich überarbeitet am 07.09.2026.

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