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Haut, Fell und Hufe·11 Min. Lesezeit·01.09.2026

Mauke beim Pferd ist kein Hautproblem

Salben helfen bei Mauke nur kurz, weil die Ursache nicht in der Fessel sitzt. Was Zink und Kupfer damit zu tun haben und wie du dein Mineralfutter nachrechnest.

Gerötete, entzündete Haut in der Fesselbeuge, das typische Bild einer beginnenden Mauke.
Gerötete, entzündete Haut in der Fesselbeuge, das typische Bild einer beginnenden Mauke.

Mauke sieht aus wie ein Hautproblem, und deshalb wird sie meistens auch so behandelt: waschen, trocknen, Salbe drauf. Das lindert, solange man es macht. Und wenn man aufhört, ist sie wieder da.

Das liegt daran, dass die Haut selten der Ausgangspunkt ist. Sie ist das Ausgabefenster.

Warum die Haut zeigt, was woanders passiert

Die Haut ist das größte Organ des Pferdes und zugleich eines der teuersten im Unterhalt. Sie erneuert sich fortlaufend, und dieser hohe Zellumsatz kostet ununterbrochen Bausteine. Wird ein Nährstoff knapp, versorgt der Körper zuerst das, was lebenswichtig ist: Herz, Leber, Muskulatur. Haut, Fell und Horn kommen zuletzt. Deshalb zeigt sich eine Lücke in der Ration dort früh und deutlich, oft lange bevor ein Blutbild etwas hergibt.

Und es gibt einen zweiten, gut belegten Weg von innen nach außen: Arbeitet die Leber nicht richtig, reichern sich Abbauprodukte des Blattgrüns im Körper an, die unter Sonnenlicht in der Haut reagieren. Betroffen sind dann genau die Stellen ohne Pigment, also weiße Beine und Nüstern. Darauf komme ich weiter unten zurück, denn dieses Muster wird am häufigsten verkannt.

Dazu kommt die Barriere selbst. Damit die Haut in der Fessel dicht bleibt, braucht sie Bausteine, allen voran Zink. Zink steckt in über dreihundert Enzymen und ist unter anderem für die Zellteilung und die Wundheilung zuständig. Fehlt es, wird jede kleine Verletzung zur Eintrittspforte, und genau dort setzen sich Bakterien und Milben fest, die auf gesunder Haut nichts ausrichten könnten.

Und der dritte Strang ist der Darm. Ein Mikrobiom aus dem Gleichgewicht zeigt sich nicht nur unten am Kot, sondern eben auch oben an der Haut. Kotwasser und Mauke beim selben Pferd sind kein Zufall, sondern zweimal dasselbe Problem an zwei verschiedenen Enden.

Was in der Fesselbeuge tatsächlich passiert

Die Fesselbeuge ist die undankbarste Stelle am ganzen Pferd. Sie knickt bei jedem Schritt, sie steht am tiefsten Punkt, sie bekommt Matsch, Urin und Einstreu ab, und sie trocknet als Letztes ab.

Wenn die Hautbarriere dort intakt ist, macht ihr das wenig aus. Ist sie es nicht, läuft immer dieselbe Kette ab:

  1. Die Hornschicht weicht auf, kleine Risse entstehen.
  2. Bakterien, die auf jeder Pferdehaut sitzen, kommen in die Tiefe. Am häufigsten sind Staphylokokken und Dermatophilus congolensis, der die typischen festhaftenden Krusten macht.
  3. Der Körper reagiert mit Entzündung, die Stelle nässt, es bilden sich neue Krusten.
  4. Unter den Krusten ist es feucht und sauerstoffarm, also genau das Milieu, in dem es weitergeht.

Deshalb bringt eine Salbe allein so wenig: Sie liegt oben auf der Kruste, während darunter der Kreislauf weiterläuft. Und deshalb hilft Trockenheit so viel: Sie nimmt dem Kreislauf die Grundlage.

Die Zinklücke, die kaum jemand auf dem Schirm hat

Zink ist in deutschem Heu fast immer knapp. Das ist keine Nachlässigkeit irgendeines Landwirts, sondern eine Folge der Böden und der Bewirtschaftung. Wer nur Heu und ein bisschen Karotte füttert, hat mit ziemlicher Sicherheit eine Unterversorgung.

Jetzt kommt der Teil, der in den meisten Ratgebern fehlt: Die Zahl auf dem Sack sagt dir nicht, was im Pferd ankommt. Zwei Punkte entscheiden darüber.

Erstens die Menge, die tatsächlich gefüttert wird. Auf der Packung steht eine Tagesdosis, oft achtzig oder hundert Gramm. Gefüttert wird häufig die halbe Menge, weil das Pferd es sonst nicht frisst. Dann ist auch nur die halbe Zinkmenge drin.

Zweitens das Verhältnis zu Kupfer. Zink und Kupfer nutzen im Darm dieselben Aufnahmewege und behindern sich gegenseitig. Als Richtwert gilt ein Verhältnis von etwa vier bis fünf Teilen Zink auf einen Teil Kupfer. Es gibt Mineralfutter am Markt, die deutlich darüber liegen, teils bei neun zu eins. Wer so etwas über Monate füttert, kann rechnerisch genug Zink geben und dem Pferd trotzdem einen Kupfermangel machen. Und Kupfer braucht die Haut auch, unter anderem für die Pigmentbildung und für stabiles Bindegewebe.

So rechnest du es durch

Ein 600-Kilo-Pferd nimmt am Tag rund 9 bis 10 Kilo Trockensubstanz auf, fast alles davon Heu. Der Zinkbedarf liegt bei etwa 50 Milligramm je Kilo Trockensubstanz, also grob 500 Milligramm am Tag.

Woher Rechnung Ergebnis
Heu 9 kg Trockensubstanz, im Schnitt 25 mg Zink je kg rund 225 mg
Lücke 500 mg Bedarf minus 225 mg aus dem Heu rund 275 mg fehlen
Mineralfutter 80 g von einem Futter mit 2.000 mg Zink je kg 160 mg, zu wenig
Mineralfutter 80 g von einem Futter mit 4.000 mg Zink je kg 320 mg, passt

Die Zahlen sind Richtwerte, dein Heu kann darüber oder darunter liegen. Aber die Rechnung zeigt, worauf es ankommt: Nicht ob ein Mineralfutter Zink enthält, sondern wie viel davon bei der Menge ankommt, die du wirklich fütterst. Zwei Produkte mit demselben Preis können sich hier um den Faktor zwei unterscheiden.

Rechne dein Mineralfutter also einmal durch: Zinkgehalt geteilt durch Kupfergehalt, und die Tagesdosis mal Zinkgehalt. Liegt das Verhältnis deutlich über fünf oder die Menge unter dem, was fehlt, ist es die falsche Mischung für ein Pferd mit Hautproblemen.

Was die Haut sonst noch braucht

Zink ist der bekannteste Baustein, aber nicht der einzige. Wenn die Haut nicht zur Ruhe kommt, lohnt der Blick auf diese fünf:

Baustein Wofür die Haut ihn braucht
Zink Zellteilung, Wundheilung, dichte Hautbarriere
Kupfer Pigment und stabiles Bindegewebe, im Verhältnis zum Zink
Schwefelhaltige Aminosäuren Methionin und Cystein sind die Bausteine von Keratin, also von Haut und Horn
Omega-3-Fettsäuren Teil der Zellmembran, dämpfen überschießende Entzündungsreaktionen
Biotin Horn und Oberhaut, wirkt langsam und nur über Monate

Was auf dieser Liste fehlt, ist Selen. Das ist Absicht. Selen braucht das Pferd, aber der Abstand zwischen zu wenig und zu viel ist klein, und beides schadet. Selen gehört nicht ins Blaue hinein gefüttert, sondern erst nach einer Blutuntersuchung, am besten aus Vollblut.

Woran du erkennst, wo es bei euch klemmt

Mauke ist nicht gleich Mauke. Diese drei Muster sehe ich am häufigsten:

Muster Was meist dahintersteckt Wo ich zuerst ansetze
Kommt im Herbst, geht im Frühjahr Dauernässe, Matsch, keine trockene Stelle zum Stehen Haltung: trockener Platz, Auslauf befestigen
Bleibt, egal wie trocken es ist Versorgung und Darm Ration durchrechnen, Spurenelemente prüfen
Nur an den weißen Beinen, oft mit Krusten an der Nase unpigmentierte Haut, Lichtempfindlichkeit, häufig mit der Leber verbunden Leberwerte, Weidegang und Futterpflanzen prüfen

Das dritte Muster ist das, das am häufigsten übersehen wird. Wenn ein Pferd nur an den unpigmentierten Stellen Probleme hat und zusätzlich an der Nase, ist das kein Zufall der Hautfarbe, sondern ein Hinweis auf eine Photosensibilisierung. Dahinter kann eine Leberbelastung stecken, und die gehört abgeklärt, bevor man weiter cremt.

Die Pflege, die hilft, und die, die schadet

Was hilft:

  • Trocken halten. Das ist die halbe Behandlung und kostet nichts.
  • Krusten aufweichen und vorsichtig ablösen, nicht abreißen. Darunter sitzt die Entzündung, und offene, blutende Stellen machen sie schlimmer.
  • Nach dem Waschen wirklich trocken tupfen, bis in die Beuge hinein.
  • Behaarung kurz halten, wenn das Pferd Kötenbehang hat. Was nicht trocknet, bleibt feucht.

Was schadet:

  • Tägliches Waschen mit Shampoo. Es weicht die Hornschicht auf und entfernt den Fettfilm, also genau die Barriere, um die es geht.
  • Blauspray und andere farbige Sprays auf offenen Stellen. Sie färben, damit man weniger sieht, und trocknen die Wundfläche aus. Mehr dazu im Beitrag über die moderne Wundversorgung.
  • Dicke, luftdichte Salbenschichten auf nässenden Stellen. Darunter wird es warm und feucht.

Zum Krustenlösen, ohne zu waschen. Das ist der Punkt, an dem die meisten hängenbleiben: Abreißen tut weh und reißt die Haut wieder auf, Einweichen macht die Fessel nass, und nass ist genau das, was du hier nicht willst. Es gibt dafür Schäume, die ohne Wasser arbeiten. Aufsprühen, sanft einmassieren, kurz warten und den gelösten Schmutz mit einer sterilen Kompresse abnehmen. Ich nehme den Fessel-Schaum Nr. 3 von Bäralis, er enthält Panthenol und kommt ohne Wasser aus. Das ist Hautpflege und kein Ersatz für die Arbeit an der Ursache: An dem, was weiter oben in diesem Beitrag steht, ändert er nichts. Er macht nur den Teil leichter, der sonst am unangenehmsten ist.

Kräuter und Pflegemittel stehen bei alldem am Ende der Reihe, nicht am Anfang. Sie sind Ergänzung der Ration und der Pflege, keine Behandlung. Was die Haut tatsächlich als Baustein braucht, steht in der Tabelle weiter oben.

Was ich zuerst ändern würde

  1. Trocken stellen. Nicht waschen, sondern trocken halten. Wo Krusten sind, gehören sie vorsichtig abgelöst, nicht abgerissen.
  2. Zucker und Stärke herunterfahren. Getreide raus, Müsli raus, gutes Heu als Basis. Damit kommt weniger unverdaute Stärke im Dickdarm an.
  3. Das Mineralfutter nachrechnen. Menge und Zink-Kupfer-Verhältnis, wie oben beschrieben.
  4. Zeit einplanen. Haut erneuert sich langsam.

Wie lange es dauert

  • Woche 1 bis 2: Trockenheit und Ruhe. Die Krusten lösen sich, die Haut darunter ist noch gerötet. Das sieht schlechter aus als vorher, ist aber der richtige Weg.
  • Woche 3 bis 6: Die Haut schließt sich, es nässt nicht mehr. Jetzt zeigt sich, ob die Fütterung stimmt.
  • Ab Woche 8: Neues Haar wächst nach. Ist bis hierhin nichts passiert, obwohl es trocken steht und die Ration sitzt, gehört mehr dazu als Fütterung.

Fotografier die Fessel einmal in der Woche, immer von derselben Seite und bei gleichem Licht. Nach sechs Wochen siehst du auf den Bildern, was dein Auge im Alltag nicht bemerkt, weil die Veränderung zu langsam kommt.

Wann der Tierarzt drangehört

Wenn die Fessel dick wird, das Pferd lahmt, die Stellen nässen und riechen, oder wenn sich die Mauke trotz trockener Haltung ausbreitet. Dann steckt oft eine bakterielle Infektion oder ein Milbenbefall dahinter, und beides braucht eine gezielte Behandlung. Die Fütterung ist die Grundlage, aber sie ersetzt keine Diagnose.

Bei Kötenbehang lohnt sich der Milbenverdacht früher, als man denkt. Gemeint sind Chorioptesmilben, die sogenannte Fußräude. Sie sitzen tief in der Behaarung, sind von außen nicht zu sehen, und der Nachweis gelingt nur über ein Hautgeschabsel beim Tierarzt. Solange sie unbehandelt bleiben, kommt keine Fütterung dagegen an.

Häufige Fragen

Warum kommt die Mauke bei meinem Pferd immer wieder?

Weil in den allermeisten Fällen nur die Haut behandelt wird und nicht das, was sie schwach macht. Die Fesselbeuge ist die Stelle, an der ein Mangel als Erstes sichtbar wird: dünn behaart, ständig in Bewegung, oft feucht. Solange Zink und Kupfer nicht in der richtigen Menge und im richtigen Verhältnis ankommen, schließt sich die Haut zwar unter Salbe, hält dem nächsten nassen Herbst aber wieder nicht stand.

Wie viel Zink braucht ein Pferd bei Mauke?

Mehr, als der Sack vermuten lässt. Ein 600-Kilo-Pferd braucht rund 500 Milligramm Zink am Tag, aus dem Heu kommen im Schnitt etwa 225. Es fehlen also rund 275 Milligramm. Ein Mineralfutter mit 2.000 Milligramm Zink je Kilo liefert bei 80 Gramm Tagesdosis nur 160 Milligramm und reicht damit nicht. Und achte auf das Verhältnis zu Kupfer: vier bis fünf Teile Zink auf einen Teil Kupfer, nicht neun.

Was hilft äußerlich bei Mauke?

Trocken halten, vorsichtig reinigen, Krusten nicht abreißen. Alles, was die Stelle luftdicht abschließt oder die Haut zusätzlich austrocknet, verzögert die Heilung. Und Vorsicht bei den Hausmitteln aus dem Netz: Was scharf desinfiziert, schädigt in der Regel auch die neuen Zellen, die die Wunde schließen sollen.

Kann Mauke von Milben kommen?

Ja, und das wird regelmäßig übersehen. Chorioptesmilben sitzen tief im Kötenbehang, sind von außen nicht zu sehen, und nachweisen lässt sich der Befall nur über ein Hautgeschabsel beim Tierarzt. Solange sie unbehandelt bleiben, kommt keine Fütterung und keine Pflege dagegen an. Bei Pferden mit viel Behang lohnt der Verdacht früher, als man denkt.

Wie lange dauert es, bis Mauke abheilt?

In den ersten ein bis zwei Wochen lösen sich die Krusten und die Haut darunter sieht schlechter aus als vorher, das gehört dazu. Ab Woche drei bis sechs schließt sich die Haut, ab Woche acht wächst neues Haar nach. Ist bis dahin nichts passiert, obwohl es trocken steht und die Ration sitzt, gehört mehr dazu als Fütterung. Fotografier die Fessel wöchentlich von derselben Seite, sonst siehst du den Fortschritt nicht.

Darf ein Pferd mit Mauke auf die nasse Weide?

Dauerhaft im Matsch stehen ist der sicherste Weg, dass nichts abheilt. Wegsperren muss man das Pferd deswegen aber nicht, denn Bewegung ist für die Durchblutung der Fessel wichtig. Der Kompromiss ist, dass die Beine danach trocknen können, also trockener Untergrund im Stall oder auf dem Paddock, und Abtrocknen statt Abspritzen.


Woher die Zahlen kommen: Der Zink- und Kupferbedarf und das empfohlene Verhältnis folgen den Empfehlungen der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie (GfE), Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von Pferden, Ausgabe 2014. Die 25 Milligramm Zink je Kilo Heu sind ein Durchschnittswert aus Futtermittelanalysen. Deutsches Heu liegt je nach Boden und Schnitt zwischen etwa 15 und 35 Milligramm, sicher weißt du es erst mit einer eigenen Heuanalyse.

Zuletzt fachlich überarbeitet am 09.09.2026.

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