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Nährstoffe·13 Min. Lesezeit·31.01.2026

Natürliches Mineralfutter fürs Pferd selbst mischen

Warum Kräuter, Samen und Algen als Mineralquelle taugen, wo sie an ihre Grenze kommen und wie du selbst mischst, ohne ins Blaue zu füttern.

Vier Mischungen nebeneinander: Kräuter, Pellets, Leinsamen und Algen, wie sie in einer selbst gemischten Mineralversorgung zusammenkommen.
Vier Mischungen nebeneinander: Kräuter, Pellets, Leinsamen und Algen, wie sie in einer selbst gemischten Mineralversorgung zusammenkommen.

Du möchtest dein Pferd möglichst naturnah füttern, ohne unnötige Zusatzstoffe, künstliche Aromen oder synthetische Trägerstoffe? Dann bist du nicht allein. Immer mehr Pferdebesitzer entscheiden sich bewusst für natürliche Mineralfutter, und das aus gutem Grund.

Die kurze Antwort vorweg, damit du nicht bis unten scrollen musst: Kräuter, Samen und Algen sind eine sehr gute Grundlage, aber sie decken den Bedarf an Spurenelementen allein in aller Regel nicht. Eine naturnahe Mineralversorgung besteht deshalb aus zwei Teilen, einer breiten pflanzlichen Basis und einer gezielten Ergänzung genau dort, wo dein Heu zu wenig liefert. Wie du beides zusammenbringst, steht weiter unten, mit Zahlen und einer Beispielmischung.

„Ganzheitlich füttern“, mehr als nur ein Trend

Natürliches Mineralfutter basiert auf dem Gedanken, den Organismus deines Pferdes nicht zu überladen, sondern ihn gezielt zu unterstützen. Statt isolierter, hochdosierter Einzelstoffe setzt man auf:

  • Kräuter
  • Samen
  • Algenprodukte
  • natürliche Mineralträger
  • sekundäre Pflanzenstoffe

Der Gedanke dahinter: Ein Pferd nimmt in der Natur Dutzende Pflanzenarten auf, nicht sechs isolierte Spurenelemente aus einer Dose. Ob eine solche Mischung mehr kann als die Summe ihrer Nährstoffe, ist beim Pferd nicht untersucht. Was sie sicher liefert, sind die Mineralstoffe, und die lassen sich nachrechnen.

Wichtig ist dabei nicht das „Entweder-oder“, sondern das richtige Maß und die passende Zusammensetzung.

Heu ist die Basis, natürliche Mineralfutter bauen darauf auf

Dein Pferd deckt einen Großteil seines Mineralstoffbedarfs bereits über das Grundfutter. Heu liefert vor allem:

  • Calcium
  • Phosphor
  • Magnesium

In vielen Regionen sogar reichlich davon. Natürliche Mineralfutter setzen genau hier an: Sie ergänzen gezielt, statt pauschal alles zu ersetzen.

Besonders sinnvoll sind sie, wenn du:

  • individuelle Mischungen bevorzugst
  • möglichst getreidefrei fütterst
  • empfindliche Pferde hast
  • auf eine stoffwechsel- und darmfreundliche Fütterung achtest

Kräuter, das Herzstück natürlicher Mineralfutter

Kräuter sind aus natürlichen Mineralfuttern nicht wegzudenken. Sie bringen neben Mineralstoffen die sekundären Pflanzenstoffe mit, also Bitterstoffe, Gerbstoffe, ätherische Öle und Farbstoffe.

Warum Kräuter so wertvoll sind

Sekundären Pflanzenstoffen wird zugeschrieben, dass sie die Darmflora und die Schleimhäute unterstützen, den Stoffwechsel und die Leber entlasten und die Verwertung von Nährstoffen verbessern.

Und hier gehört gleich die ehrliche Einordnung dazu, weil du sie sonst nirgends bekommst: Für die meisten Futterkräuter gibt es beim Pferd keine belastbaren Studien. Was wir haben, ist jahrhundertelange Erfahrung, dazu Laborwerte über die Inhaltsstoffe und Untersuchungen an anderen Tierarten. Das ist etwas wert, aber es ist kein Wirksamkeitsnachweis, und niemand sollte dir etwas anderes erzählen. Kräuter sind Futter, keine Arznei, und sie ersetzen keine tierärztliche Behandlung.

Traditionell eingesetzt werden zum Beispiel:

  • Brennnessel und Löwenzahn: mineralstoffreich, traditionell in Frühjahrskuren
  • Hagebutte: reich an Vitamin C und sekundären Pflanzenstoffen
  • Salbei und Thymian: enthalten ätherische Öle, traditionell rund um die Atemwege eingesetzt
  • Brombeerblätter: gerbstoffreich, traditionell bei weichem Kot

Kräuter liefern also selbst Nährstoffe und bringen Vielfalt in eine Ration, die sonst aus zwei oder drei Komponenten besteht.

Und was Kräuter nicht sind

Kräuter sind kein Dauerfutter. Bitterstoffe, Gerbstoffe und ätherische Öle sind starke Inhaltsstoffe, und was stark ist, gehört dosiert und zeitlich begrenzt in den Trog. Eine Kräutermischung, die seit zwei Jahren jeden Tag im Trog landet, ist keine Kur mehr, sondern ein Bestandteil der Ration, dessen Wirkung niemand mehr beurteilen kann.

Meine Regel: kurweise füttern, drei bis sechs Wochen, dann eine Pause von mindestens der gleichen Länge. Danach schaust du hin, ob sich etwas verändert hat. Wenn nach zwei Kuren nichts anders ist, war es die falsche Mischung oder das falsche Problem.

Vielfalt statt Einfalt, warum Abwechslung entscheidend ist

In freier Wildbahn würde dein Pferd täglich Dutzende Pflanzenarten aufnehmen: Gräser, Kräuter, Blätter, Rindenbestandteile. Diese Vielfalt fehlt heute oft im Heu.

Natürliche Mineralfutter gleichen das aus, indem sie:

  • unterschiedliche Pflanzenarten kombinieren
  • verschiedene Mineralträger nutzen

Dass eine abwechslungsreiche Ration näher an dem liegt, was ein Pferd von Natur aus frisst, ist unbestritten. Dass daraus messbar mehr wird als die Summe der enthaltenen Nährstoffe, ist beim Pferd nicht belegt.

Was natürliche Quellen decken, und wo sie an ihre Grenze kommen

Hier wird es unbequem, aber ohne diesen Teil wäre der Beitrag unehrlich: Kräuter und Samen allein decken den Bedarf an Spurenelementen in aller Regel nicht.

Ein 600-Kilo-Pferd braucht am Tag grob 500 Milligramm Zink. In hundert Gramm Kräutermischung stecken davon je nach Pflanze und Boden vielleicht ein bis drei Milligramm. Um die Lücke zu schließen, müsstest du Kilos füttern, und lange vorher wären andere Inhaltsstoffe im Überschuss.

Nährstoff Natürliche Quelle Was sie leistet Wo die Grenze liegt
Calcium Algenkalk, Luzerne deckt den Bedarf gut ab Verhältnis zu Phosphor im Blick behalten
Magnesium Sonnenblumenkerne, Bierhefe trägt spürbar bei bei hohem Bedarf reicht es allein nicht
Zink, Kupfer, Mangan Kräuter, Samen ergänzen, in kleinen Mengen decken den Tagesbedarf nicht
Selen kaum eine pflanzliche Quelle in Mitteleuropa fast nichts gehört gezielt und nach Blutbild ergänzt
Jod Seealgenmehl deckt gut, sogar zu gut schnell überdosiert, siehe unten

Die Zahlen, gegen die du rechnest

Damit du überhaupt beurteilen kannst, ob eine Mischung etwas taugt, brauchst du den Bedarf. Diese Werte stammen aus den Empfehlungen der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie (GfE), das ist die Referenz, mit der auch Tierärzte und Labore arbeiten. Angegeben ist der Erhaltungsbedarf, also ein erwachsenes Pferd ohne nennenswerte Arbeit. Bei Mangan rechnet die GfE über das sogenannte metabolische Gewicht, deshalb steht dort eine Spanne statt einer festen Zahl.

Spurenelement 500-kg-Pferd am Tag 600-kg-Pferd, gerundet
Zink 425 mg rund 510 mg
Kupfer 105 mg rund 125 mg
Mangan rund 425 bis 475 mg rund 485 bis 545 mg
Selen 1,05 mg rund 1,3 mg
Jod 1,60 mg rund 1,9 mg

Drei Dinge liest man aus dieser Tabelle heraus, und alle drei sind praktisch wichtig:

Zink und Kupfer stehen etwa 4 zu 1. Die beiden konkurrieren im Darm um dieselben Aufnahmewege. Wer Zink hochfährt und Kupfer vergisst, kann damit einen Kupfermangel auslösen.

Selen und Jod sind winzig. Ein Milligramm ist ein Tausendstel Gramm. Bei diesen beiden ist der Abstand zwischen zu wenig und zu viel klein, und deshalb gehören sie nicht ins Gefühl, sondern auf die Waage.

Arbeit, Wachstum und Trächtigkeit heben den Bedarf an, teils deutlich. Die Tabelle ist der Boden, nicht die Decke.

Was folgt daraus? Nicht, dass ganzheitliche Fütterung sinnlos wäre. Sondern dass sie zwei Aufgaben hat: die Grundversorgung breit und verträglich aufstellen, und dort ergänzen, wo das Heu nachweislich zu wenig liefert. Wer die Spurenelemente ganz weglässt, spart am falschen Ende.

Deshalb rechne ich in der Beratung immer nach, statt zu schätzen: erst die Ration, dann die Lücke, dann die Ergänzung.

Natürliche Mineralstoffe, was wirklich sinnvoll ist

Samen und Saaten als natürliche Mineralträger

Samen liefern neben Energie auch Mineralstoffe und Spurenelemente:

  • Hanfsamen: Zink, Magnesium, Omega-3-Fettsäuren
  • Leinsamen: Schleimstoffe, gut für die Darmschleimhaut
  • Sesam: Calcium, Spurenelemente

Sie sind keine isolierten Hochdosislieferanten, sondern perfekt geeignet für eine natürliche, moderate Ergänzung.

Algenkalk, gezielt eingesetzt sehr sinnvoll

Algenkalk ist reich an natürlichem Calcium und eignet sich besonders:

  • bei calciumarmem Grundfutter
  • bei Pferden ohne Getreidefütterung

Calcium wird für Knochenstoffwechsel und Muskelarbeit gebraucht, das ist unstrittig. Algenkalk ist dafür eine gut verträgliche Quelle. Was er nicht ist: ein Mittel gegen Magenprobleme. Diese Aussage liest man oft, belegt ist sie beim Pferd nicht, und ein Magengeschwür gehört ohnehin tierärztlich abgeklärt und behandelt.

Aber Vorsicht mit der Menge. Calcium und Phosphor stehen in einem Verhältnis zueinander, und das sollte etwa 1,5 zu 1 bis 2 zu 1 betragen, Calcium also im Übergewicht. Wer Algenkalk großzügig obendrauf gibt, kippt dieses Verhältnis, und dann behindert das Calcium die Aufnahme anderer Mineralstoffe. Heureiche Rationen liegen ohnehin oft schon calciumbetont.

Seealgenmehl, natürliche Jodquelle mit Verantwortung

Seealgenmehl (zum Beispiel Ascophyllum nodosum) ist eine sehr ergiebige natürliche Jodquelle. Genau darin liegt aber auch das Problem, und dieser Abschnitt ist der wichtigste im ganzen Beitrag.

Rechne einmal mit. Ein Großpferd braucht am Tag rund 2 Milligramm Jod, nach den GfE-Empfehlungen sind es für ein 500-Kilo-Pferd im Erhalt genau 1,6 Milligramm. Seealgenmehl enthält je nach Algenart und Charge zwischen einigen hundert und bis zu 3.000 Milligramm Jod je Kilogramm.

Bei 3.000 Milligramm je Kilo stecken in einem einzigen Gramm Seealgenmehl 3 Milligramm Jod. Der Tagesbedarf ist damit schon überschritten. Wer, wie vielerorts empfohlen, 20 Gramm füttert, landet bei 60 Milligramm Jod am Tag, also beim Dreißigfachen.

Das ist keine theoretische Grenze. Untersuchungen zeigen, dass bereits eine zusätzliche Gabe von etwa 35 Milligramm Jod täglich zu einer vergrößerten Schilddrüse und zu veränderten Schilddrüsenwerten führen kann. Zu viel Jod macht dieselben unspezifischen Beschwerden wie zu wenig: Trägheit, Gewichtsveränderungen, Fell- und Hautveränderungen. Bei tragenden Stuten kommen Entwicklungsstörungen des Fohlens dazu.

Daraus folgt eine klare Regel: Seealgenmehl nur mit der Deklaration in der Hand und mit der Waage. Steht kein Jodgehalt auf der Packung, lass die Finger davon, denn dann kannst du die Menge nicht ausrechnen. Und rechne zusammen, was du insgesamt fütterst, viele Mineralfutter enthalten bereits Jod.

Wenn du den Verdacht hast, dass es bei euch zu viel war, ist das ein Fall für den Tierarzt und nicht für eine Futterumstellung auf Verdacht. Der Jodstatus lässt sich über den Urin bestimmen.

Woran du eine ehrliche Fertigmischung erkennst

Bevor du selbst mischst, lohnt der Blick auf das, was du vielleicht schon im Schrank stehen hast. Vier Dinge verraten dir, ob eine Mischung hält, was die Tüte verspricht.

Es stehen Zahlen drauf, nicht nur Namen. Eine seriöse Deklaration nennt die Gehalte an Zink, Kupfer, Mangan, Selen und Jod je Kilogramm. Steht dort nur „Kräutermischung mit Brennnessel und Hagebutte“, weißt du nach dem Kauf genauso viel wie vorher.

Die Fütterungsempfehlung ist realistisch. Rechne einmal nach: Gehalt je Kilo mal Tagesmenge. Wenn dabei bei einer Tagesration von 30 Gramm nennenswerte Mengen Zink herauskommen sollen, muss der Gehalt entsprechend hoch sein, und das ist rein pflanzlich kaum machbar. Kommen nur ein paar Milligramm heraus, ist das Produkt ein Kräuterzusatz, kein Mineralfutter. Beides darf es geben, aber es sollte auch so heißen.

Kein Zucker, keine Melasse, keine Aromen. Melasse steht als Pelletierhilfe in sehr vielen Mischungen. Bei einem Pferd mit Stoffwechselthemen hat sie nichts verloren. Mehr dazu steht im Beitrag über Fütterung ohne Industriefutter.

Die Reihenfolge stimmt. Zutaten stehen absteigend nach Menge. Was hinten steht, ist kaum enthalten. Wenn der teure Wirkstoff, mit dem geworben wird, an letzter Stelle steht, zahlst du für die ersten drei Zutaten.

Selbst mischen, so gehst du vor

Selbst mischen heißt nicht, drei Tüten aus dem Futterladen zusammenzuschütten. Es heißt, zu wissen, was rein muss und warum. Die Reihenfolge ist immer dieselbe.

Schritt 1: Wiege die Ration. Alles, was dein Pferd am Tag bekommt, mit Menge. Heu inklusive. Eine Hängewaage kostet gut zehn Euro und ist die beste Investition in diesem ganzen Thema. Geschätzte Heumengen liegen fast immer daneben, meistens zu niedrig.

Schritt 2: Lass dein Heu analysieren. Das ist der Schritt, den fast alle überspringen, und der Grund, warum so viel auf Verdacht gefüttert wird. Heu schwankt je nach Boden, Schnitt und Jahr erheblich. Eine Analyse kostet ungefähr 40 bis 80 Euro und gilt für die ganze Charge, also oft ein ganzes Jahr. Ohne sie mischst du gegen eine Unbekannte.

Schritt 3: Rechne die Lücke aus. Bedarf minus das, was Heu und Ration schon liefern. Was übrig bleibt, ist deine Aufgabe. Nur das gehört ergänzt, nicht mehr.

Schritt 4: Wähle die Bausteine. Jetzt erst kommen Kräuter, Samen, Algen und, wo nötig, ein gezieltes Spurenelementpräparat dazu.

Schritt 5: Rechne die fertige Mischung noch einmal durch. Und zwar auf Überschüsse, nicht nur auf Lücken. Zwei Produkte, die beide Zink enthalten, addieren sich.

Eine Beispielmischung, und warum sie so aussieht

So könnte eine Tagesration für ein 600-Kilo-Freizeitpferd bei gutem Heu aussehen. Das ist ein Beispiel, kein Rezept für dein Pferd, weil dein Heu anders ist als meines.

Baustein Menge am Tag Wofür er drin ist
Kräutergrundmischung 20 bis 30 g sekundäre Pflanzenstoffe, Verdauung, Vielfalt
Leinsamen, geschrotet 30 bis 50 g Schleimstoffe, Omega-3, Fell
Bierhefe 10 bis 20 g B-Vitamine, Magnesium, Aminosäuren
Algenkalk nur nach Rechnung Calcium, wenn das Heu wenig liefert
Seealgenmehl nur nach Rechnung, oft unter 1 g Jod, nur mit Deklaration und Waage
Spurenelementergänzung nach Lücke Zink, Kupfer, Mangan, Selen

Die letzten drei Zeilen tragen absichtlich keine feste Zahl. Genau dort entscheidet die Rechnung, und genau dort geht das meiste schief, wenn man sie überspringt.

Die drei häufigsten Fehler beim Selbstmischen

Zwei Mineralfutter nebeneinander. Das passiert öfter, als man denkt: ein Mineralfutter im Müsli, eins extra dazu. Beide enthalten Zink, Kupfer und Selen. Bei Selen ist der Abstand zwischen Bedarf und Zuviel klein.

Zink ohne Kupfer. Der Fehler aus der Tabelle weiter oben, nur andersherum begangen: Es gibt reine Zinkpräparate zu kaufen, und sie werden gern bei stumpfem Fell gegriffen. Ohne Kupfer daneben verschiebst du damit nur das Verhältnis. Wie sich das später im Fellwechsel bemerkbar macht, steht in einem eigenen Beitrag.

Nach Gefühl nachlegen. Ein Löffel mehr, weil das Fell gerade stumpf ist. Mineralstoffe wirken nicht in Tagen, und ein Zuviel verschwindet nicht von selbst. Ändere eine Sache, warte sechs bis acht Wochen, und schau dann.

Wann ein Tierarzt gefragt ist, nicht ein Futterplan

Fütterung ist stark, aber sie ist nicht alles. Geh zum Tierarzt, wenn dein Pferd:

  • deutlich abnimmt, obwohl die Ration steht
  • immer wieder lahmt oder fühlig läuft
  • auffällig viel trinkt und Wasser lässt
  • teilnahmslos wirkt, fiebert oder Koliksymptome zeigt
  • ein Fell hat, das trotz sauberer Fütterung stumpf und struppig bleibt

Der letzte Punkt ist der wichtigste. Ein struppiges, spät wechselndes Fell gehört zu den frühen Hinweisen auf PPID, im Stall meist Cushing genannt. Das ist eine Erkrankung und kein Fütterungsfehler. Sie gehört per Bluttest abgeklärt, und die Fütterung wird danach angepasst, nicht davor.

Und für die Spurenelemente gilt: Selen gehört vor der Ergänzung ins Blutbild. Es ist der einzige Nährstoff in dieser Liste, bei dem eine Überversorgung zu ernsten Vergiftungserscheinungen führen kann.

Häufige Fragen

Reicht ein Salzleckstein als Mineralversorgung?

Nein. Ein Leckstein deckt Natrium und Chlorid, mehr nicht, und selbst das unzuverlässig, weil jedes Pferd anders daran geht. Spurenelemente sind darin entweder gar nicht oder in Mengen enthalten, die keine Rolle spielen. Wie du Salz richtig fütterst, steht im Beitrag über Salzfütterung.

Kann ich einfach Kräuter statt Mineralfutter füttern?

Als alleinige Versorgung nicht. Kräuter sind eine hervorragende Grundlage und verbessern die Verwertung, aber die Mengen an Zink, Kupfer und Selen, die ein Pferd am Tag braucht, bekommst du pflanzlich nicht zusammen, ohne an anderer Stelle deutlich zu überversorgen.

Braucht mein Pferd im Sommer auf der Weide überhaupt Mineralfutter?

Meistens ja, oft sogar dringender. Junges Weidegras ist eiweißreich, aber bei Spurenelementen genauso vom Boden abhängig wie Heu. Dazu kommt: Auf der Weide schwitzt dein Pferd mehr und verliert Natrium. Der Bedarf verschwindet im Sommer nicht, er verschiebt sich.

Woran merke ich, dass die Mineralversorgung stimmt?

Nicht an einem einzelnen Zeichen, sondern an mehreren über Monate: glänzendes Fell, ein Fellwechsel, der zügig durchläuft, feste Hufe mit gutem Horn, stabile Hufqualität nach dem Beschlag, ruhige Verdauung. Was du dagegen nicht tun solltest, ist alle sechs Wochen etwas zu ändern. Dann weißt du am Ende nicht, was gewirkt hat.

Ist teurer gleich besser?

Nein. Der Preis sagt vor allem etwas über Rohstoffqualität und Marge aus, nicht über die Passung zu deinem Heu. Ein günstiges Mineralfutter, das die Lücke deiner Ration trifft, ist besser als ein teures, das an ihr vorbeigeht.

Wie du es für dein Pferd durchrechnest

Alles in diesem Beitrag läuft auf denselben Punkt zu: Erst rechnen, dann füttern. Genau das ist der Unterschied zwischen naturnaher Fütterung und Fütterung auf Verdacht, und der Grund, warum zwei Pferde im selben Stall unterschiedliche Mischungen brauchen können.

Wenn du wissen willst, wo bei euch tatsächlich die Lücke sitzt, fang mit dem Futter-Check an. Fünf Fragen, keine drei Minuten, kostenlos.

Zuletzt fachlich überarbeitet am 07.09.2026.

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